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Die Bilekgasse

Adresse: Bilekgasse (Bilkova) 10

Die Bilkova befindet sich im heutigen Josefov.

Beginn des ersten Weltkriegs

Eckhaus Bilekgasse

Es ist die Zeit des ersten Weltkriegs: Der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien vom 28. Juli 1914 folgte am 31. Juli die Allgemeine Mobilisierung. Das hatte Folgen auch für die Familie Kafka. Während Franz Kafka zwar für tauglich, aber als für die  Versicherungsanstalt unabkömmlich beurteilt wurde und daher vom Militär freigestellt blieb, mussten seine beiden Schwager, Karl Herrmann und Josef Pollak, sofort einrücken.  Am Samstag den 1. August brachte man den einberufenen Karl Herrmann, Ellis Ehemann, zum Zug und beschloss kurzerhand, dass Elli und ihre zwei kleinen Kinder nicht alleine in ihrer Wohnung zurückbleiben sollten. Man überließ Ihnen Franzens Zimmer. Kafka war somit bereits 31 Jahre alt, als er - mehr unfreiwillig - das erste Mal das Elternhaus verließ. Er zog daraufhin in die Wohnung seiner Schwester Valli Pollak ein. Das Haus ist auch heute noch gut erhalten.

Es war ein provisorisches Quartier, das er nur während des Sommerurlaubs der Familie bewohnen konnte. Ein gutes halbes Jahr später wohnte er noch einmal als Hauptmieter in einer möblierten Wohnung desselben Hauses, kündigte aber nach ungefähr einem Monat wieder, da er sich durch die lauten Geräusche der Nachbarn gestört fühlte.

Kafka mit Felice Bauer

Zeit des Umbruchs

Franz Kafka machte eine schwierige Zeit durch. Seine Verlobung mit Felice Bauer war wenige Wochen vorher unter für ihn traumatischen Erlebnissen aufgelöst worden. So schreibt er am 3. August 1914 in sein Tagebuch:

"Keine ersehnte Frau öffnet die Tür. In einem Monat hätte ich heiraten sollen. Ein furchtbares Wort: Wie Du es wolltest, so hast Du es. Man steht an der Wand schmerzhaft festgedrückt, senkt furchtsam den Blick, um die Hand zu sehn, die drückt und erkennt mit einem neuen Schmerz der den alten vergessen macht, die eigene verkrümmte Hand, die mit einer Kraft, die sie für gute Arbeit niemals hatte, dich hält. Man hebt den Kopf, fühlt wieder den ersten Schmerz, senkt wieder den Blick und hört mit diesem Auf und Ab nicht auf."

Wenige Tage später begann er in seinem provisorischem Quartier mit der Arbeit an dem Roman "Der Process", der nicht zuletzt auch eine Aufarbeitung dieser letzten Monate war.

meinVZ