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Der Prager Judenfriedhof

Adresse: Stary zidovsky hrbitov, Siroka Nr. 3/2
Am besten über die Metrostation Staromestska zu erreichen. Danach biegt man links in die Valentinska ein. Diese endet in der Siroka.

Geschichte des Prager Judenfriedhofs

Der Prager Judenfriedhof zählt zu den wenigen Zeugen des untergegangenen Ghettos und ist der wahrscheinlich bedeutendste jüdische Friedhof, der erhalten geblieben ist. Mit seinen ca. 12000 Steinen, die sich auf einem gedrängten Areal in bis zu zehn Schichten tief übereinanderstapeln, bietet dieser Wildwuchs an kreuz und quer aufeinander liegenden Steinen und Grabplatten ein imposantes Gebilde, das kein Tourist versäumen sollte. Da der jüdische Glaube die Auflösung von Gräbern verbietet und es schon immer Platzmangel im ehemaligen Ghetto gab, behalf sich die jüdische Gemeinde mit einem erneuten Aufschütten bereits bestehender Grabschichten, das im Verlauf der Jahrhunderte zu den bizarren Formen führte.

Der Prager Judenfriedhof

Der Friedhof wurde zu Anfang des 15. Jahrhundert angelegt. Das älteste erhaltene Grab gehört dem Rabbiner Avigdor Kara, der hier 1439 zu Grabe getragen wurde. Die letzte Beerdigung fand im Jahre 1787 statt. Durch die Assanierung im 19. Jahrhundert verlor der Judenfriedhof ca. 1900 m² seiner Grundfläche. Dem Fortschritt mußte auch der Ritus seinen Tribut zollen und so kam es, entgegen der religiösen Vorschrift, in dieser Zeit zur Umbettung von sterblichen Überresten in den verbliebenen Teil des Friedhofs.

Doch nicht nur der Friedhof als solcher ist eine Kulturdenkstätte ersten Ranges, sondern auch die Aufschriften und Symbole der Gräber sind wichtige Zeugen des vergangenen Lebens im Prager Ghetto. Neben dem üblichen Geburts- und Todesdatum kann man nämlich hier vieles von dem erfahren, was sich im Leben der Verstorbenen zugetragen hat: welche Funktionen er beispielsweise in der Gemeinde hatte, welche positiven Eigenschaften jemand besaß und gute Taten man vollbrachte. An den Symbolen dagegen läßt sich die Zugehörigkeit zu den biblischen Stämmen erkennen, die in die Steine eingemeißelt wurden. So besaß der Stamm der Kohen, deren Mitglieder oft Priester waren, als Symbol die segnenden Hände; oder die Leviten, deren Privileg es war im Tempel Dienste leisten zu dürfen, finden sich im Bild des Kruges wieder. Aber auch allgemeine Symbole des Judentums, wie die Weinrebe, das für Fülle und Vielheit steht, kann man auf den Gräbern ersehen. Gelehrte Menschen erhielten oft als Zeichen eine Krone, andere Namen wurden durch Tiere oder Pflanzen versinnbildlicht. Auch die Berufe der Verstorbenen kann man erkennen: der Schneider erhielt eine Schere, der Apotheker einen Mörser oder der Musiker eine Geige.

Die Zeremonienhalle am Ausgang des jüd. Friedhofs

Eine weitere Eigenart wird jedem Besucher sicherlich auffallen: auf vielen Gräbern kann man kleine Steinchen entdecken. Diese werden in der Regel von Bekannten und Verwandten des Verstorbenen mit der Absicht auf das Grab gelegt, den Toten symbolisch zu bedecken. Dieser Brauch stammt noch aus der Zeit der Wüstenwanderung, als man die Toten aufgrund der geographischen Lage mit Steinen begrub. Auf dem Grab des Rabbi Löw kann man zudem unter den Steinchen noch kleine Zettelchen finden, auf die gläubige Menschen Wünsche schreiben, in der Hoffnung, der wundertätige Rabbi möge sie erfüllen.

Neben Rabbi Löw, dessen Grabmal natürlich den größten Zulauf findet, kann man aber auch all die anderen bekannten vergangenen Größen der Prager Geschichte wiederfinden: den Primas und Wohltäter Mordechai Maisl, den Historiker und Astronom David Gans oder den Gelehrte David Oppenheim. Zu den schönsten Grabstätten gehört zweifellos das Grab von Heudele Bassevi, der Frau von Jakob Bassevi, der im 17. Jahrhundert als erster Prager Jude in den Adelsstand erhoben wurde.

Leider kann man viele Grabstätten nicht mehr direkt begehen, da nur noch ein schmaler Streifen um das Areal herum für den Publikumsverkehr freigegeben ist. Eine Vorsichtsmaßnahme, da aufgrund des Massenandrangs der Prager Judenfriedhof bedroht war und man zeitweilig sogar die komplette Schließung erwog.

Erwähnenswert ist noch das neoromanische Zeremonienhaus, das 1906 erbaut wurde und sich direkt am Ausgang des Judenfriedhofs befindet. Im Inneren des Gebäudes kann man eine Ausstellung mit Zeichnungen und Schriften von Kindern aus dem KZ Theresienstadt besichtigen.