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Die Geschichte der Prager Golem-Sage

Erweckung und Tod des Golems

Rabbi Löw, oberster Richter der Gemeinde von Prag, bedrückte die unablässig von christlichen Priestern  vorgebrachte Verleumdung des Blutgebrauchs so sehr, dass er den Beistand des Himmels erflehte. In einem nächtlichen Traum bekam er folgendes aufgetragen:

"Mache ein Menschenbild aus Ton, und Du wirst der Böswilligen Absicht zerstören."

So machte er sich mit einem Schüler und seinem Diener auf den Weg zu einem Fluss außerhalb der Stadt, an dessen Ufer eine Lehmgrube lag. Hier kneteten die drei Männer aus der formlosen Masse eine menschliche Figur, die durch das jeweils siebenmalige Umschreiten des Schülers und des Dieners, sowie dem Hersagen von vorgesetzten Formeln zum Leben erweckt wurde. Der Golem war von sehr großer Statur und besaß ungeheure Kräfte. Nach ihrer Heimkehr lebte der Golem zumeist reglos zurückgezogen in einem Winkel  der Stube des Rabbis. Nur wenn dieser einen Auftrag an ihn hatte und der Rabbi ihm ein mit Zauberformeln beschriebenes Pergament in den Mund legte, erwachte der Riese zum  Leben. Auch bekam er ein Amulett aus Hirschhaut um den Hals gehängt, das ihn für die anderen unsichtbar machte, während er aber alles sah. 

Rabbi Löw setzte den Golem vor allem dazu ein die Blutbeschuldigung zu bekämpfen. Sobald das Passahfest nahte, patrouillierte der Golem während der Nächte durch die dunklen Strassen der Judenstadt und hielt jeden auf, der eine Last auf dem Rücken trug. War darunter ein totes Kind, das vor eine Synagoge gelegt werden sollte, band er den Übeltäter und die Leiche mit einem Strick zusammen und brachte sie zum Stadthaus, wo er sie der Obrigkeit übergab.

Nachdem es wieder ruhig auf den Strassen von Prag wurde und ein Gesetz die Blutbeschuldigung nicht mehr unter Anklage stellte, da sie grundlos war, beschloss Rabbi Löw den Golem wieder den Elementen zu übergeben. Wieder rief er seine Schüler um sich und dieses Mal vollbrachten sie die Rituale seiner Erweckung in umgekehrter Reihenfolge. Danach war der Golem wieder leblos. Man wickelte ihn in zwei alte Gebetbücher und verwahrte ihn in der Dachstube des Rabbi. 

Für Rabbi Löw hat der Golem Anteil am ewigen Leben, weil er so oft Israel vor schwerer Not bewahrt hat und wenn er dereinst mit den anderen Toten zusammen wieder zum Leben erwachen sollte, wird er in einer ganz anderen Gestalt fortleben.